Blaubeerkuchen und Norah Jones

Wenn die Schöneberger trällert “Jetzt singt sie auch noch …!” müsste man wohl von Norah Jones sagen “Jetzt schauspielert sie auch noch!” Hat sie wohl auch selbst zunächst gedacht, denn es geht die Legende, sie habe auf Wong Kar Wei’s Ansinnen, in seinem Film mitzuspielen gefragt, ob er nicht ihre Videos kenne und wisse, wie unbeholfen sie vor der Kamera sei. Das sei nicht unbeholfen sondern natürlich, habe dieser geantwortet und viel Widerstand hat dann Frau Jones offenbar nicht mehr geleistet.
Aber allen Skeptikern sei gesagt, dass hier nur einmal mehr deutlich wird, welch verschwenderischen Tag der liebe Gott hatte, als er Norah Jones schuf. Jetzt schauspielert sie auch noch – und wie!
In “My Blueberry Nights”, einem atmosphärisch dichten Film, der doch nie in die Schnulze abkippt, mit betörenden Bildern – zwischen leuchtendem New Yorker Neon und unglaublichen amerikanische Weiten – und einem Soundtrack, der gleichsam aus den Bildern geboren zu sein scheint (und den anzuhören im Moment mein größtes Vergnügen ist) sieht sie aus, als habe sie noch nie etwas anderes gemacht.
Wong Kar Wei lässt dem Zuschauer viel Zeit, in Großaufnahmen Gesichter als lebendige Landschaften zu entdecken und zeigt die Schönheit des Einfachen, fast schon Minimalistischen.
Als vom Freund für eine andere verlassene Elizabeth nimmt Norah Jones den denkbar längsten Weg, um von einer auf die andere Straßenseite zu kommen – ein ganzes Jahr lang quer durch die USA. Um schließlich dort zu landen, wo sie gestartet ist – in einem kleinen New Yorker Café und beim schönsten Kuss, den ich je in einem Film gesehen habe (aber ich bin ja auch ein bekennender Vanilleeis-Liebhaber 😉 )
Lust auf mehr? Es lohnt sich auf jeden Fall, zumal Jud Law, Natalie Portman und Rachel Weisz das ihre tun, um die erzählten Geschichten ganz nach innen gelangen zu lassen und noch lange nach Verlassen des Kinosessels ein Lächeln auf’s Gesicht zu zaubern.