So ein Sommer!

Der fröstelnde Frühling scheint ansatzlos in den Hochsommer übergegangen zu sein, deutsche Politiker demonstrieren mit Äußerungen wie “Wildsau” und “Gurkentruppe” ihre Kenntnisse von Fauna und Flora, am Arbeitsplatz köchele ich bei kommoden 30 Grad Raumtemperatur leise vor mich hin und die Fußballweltmeisterschaft könnte für viele vorzeitig zu Ende sein, weil das fortwährende Tröten tausender Vuvuzelas einem das Hirn erweicht und man ihm weder im Radio noch im Fernsehen entkommen kann.

Aber vielleicht ist das alles ja ein riesiges Ablenkungsmanöver, denn inzwischen sind die Meldungen über den Tod junger deutscher Soldaten in Afghanistan nichts mehr für die erste Seite und kommen in den Radionachrichten erst nach den NRW-Querelen bei der Regierungsbildung. Und für Fragen, wieso denn unsere jungen Leute sich in der Fremde töten lassen, wird schon gar kein unschuldiges Druckpapier verschwendet …

Ich habe auch keine Lösung für komplexe weltpolitische Probleme, aber ich fühle mit jedem Vater und jeder Mutter, die den Tod ihres im fernen Land umgekommenen Kindes beweinen oder bangen, ob es unversehrt wieder nach hause kommt. Wie weit war der Weg von “Kein Deutscher wird je wieder ein Gewehr in die Hand nehmen” bis zur “Erfüllung der Bündnispflichten”?

Was für ein Sommer.