(K)ein Text wie jeder andere …

Das hatte ich mir leichter vorgestellt. Wie schwer kann das schon sein, etwas über Anliegen und Motive der Website-Erneuerung zu schreiben?  Aber seit Tagen schleiche ich um diese Zeilen wie die sprichwörtliche Katze um den heißen Brei und finde einfach keinen Anfang. Vielleicht liegt es ja daran, dass es gar nicht um die Homepage geht.

Sie ist eigentlich nur ein Symbol. Eine Illustration für einen Neuanfang, für eine Veränderung in meinen Sichtweisen und im Bemühen, mit mir und meinem Leben zukünftig anders umzugehen. Fokussierter auf das Wesentliche (was genau ist das?), weniger abgelenkt von Schnörkeln und Nebensächlichkeiten. Viel mehr im Hier und Jetzt zu sein, ganz bei der einen Sache, die im Moment gerade dran ist – nicht schon beim Nächsten und Übernächsten, bevor das Augenblickliche beendet ist. Und mich auch ganz dem Menschen zuwenden, auf den ich mich gerade eingelassen habe, ganz bei ihm/ihr sein, nicht mich im Entfernten zu verlieren. Den Tag, die Stunde, den Moment zu leben, zu genießen und ganz auszukosten – kann doch von einem Augenblick zum anderen alles vorbei sein. Die linear vergehende Zeit wird zum Scharfrichter für das Ausgelassene, Aufgeschobene und Vertagte.

Das alles und noch mehr, was ich bisher kaum richtig benennen kann,  beschäftigt mich heute, trieb mich im letzten halben Jahr um. Seit ich mit knapper Not dem Tod durch Infarkt entkam und entgegen all meiner  Ängste nach einer eiligen Bypass-Operation am offenen Herzen doch wieder aufgewacht bin. Der Körper heilt, wenn auch langsamer als anfänglich erwartet – die Seele aber hält nur mühsam Schritt.

Und wieder erweist sich das Schreiben und Singen von Liedern als Lebensmittel, als Mittel zum Überleben. Allerdings gelangen mir bisher nur Kompositionen – die Liedtexte dazu sind alle noch unvollständig oder stecken an Hindernissen fest, deren Existenz und Sinn ich noch nicht begreife. Aber die Erfahrungen der Todesnähe und des Krankseins und ihr sich Ausbreiten in die Familie und Freundeskreise hinein erhalten so einen Rahmen, in dem Verstehen manchmal beinahe schon gelingt. Vor allem die Angst findet ihren Platz und kann beruhigter aus den Augenwinkeln beobachtet werden.

Der Umzug der Website auf eine neue Basis, die Veränderung des Designs, die Erneuerung der Fotogalerien, die stärkere Fokussierung auf das Wort – all das gehört zu den Äußerlichkeiten, mit denen ich versuche, die Veränderungen in meinem Leben zu bebildern. Ich bin noch längst nicht fertig mit mir und den Fragen, die mir so unversehens gestellt worden. Vielleicht finde ich Antworten – dann werde ich es euch an dieser Stelle wissen lassen.